Frau erhält Gesicht einer Toten

In den USA gelingt weltweit größte Transplantation dieser Art



CLEVELAND. Das Gesicht war furchterregend, die Verletzungen waren schrecklich: keine Nase, kein Gaumen, keine Möglichkeiten, normal zu essen oder zu atmen. Kinder, die die Frau sahen, schrien und rannten davon. Dank der bislang weltweit umfassendsten Gesichtstransplantation kann die Frau nun auf ein neues Leben hoffen.

US-amerikanische Chirurgen haben der Schwerverletzten 80 Prozent ihres Gesichts mit dem Gesicht einer wenige Stunden zuvor Verstorbenen ersetzt. Es war die erste derartige Operation in den USA und die vierte weltweit, von denen aber keine derart weitging. „Man braucht ein Gesicht, um der Welt ins Antlitz zu sehen", sagte Chirurgin Maria Siemionow, die die Operation an der Cleveland Clinic vor zwei Wochen leitete.

Vom Gesicht der Betroffenen war nicht viel mehr übrig als Stirn und Kinn. Nach der 22-stündigen Operation habe die Patientin glücklich mit den Händen ihr neues Gesicht berührt und gefühlt, dass sie eine Nase und einen Kiefer habe, erklärte Siemionow am Mittwoch vor Journalisten. Der Frau gehe es gut, es gebe keine Anzeichen, dass das Gewebe abgestoßen werde, erklärten die Ärzte. Verpflanzt wurden sowohl Knochen, Muskeln, Nerven, Haut und Blutgefäße als auch einige Zähne.

Bei der Transplantation habe es sich nicht um eine herkömmliche Schönheitsoperation gehandelt, verteidigte der Ethikbeauftragte der Klinik, Eric Kodish, den Eingriff gegen moralische Bedenken.

Die Chirurgen gehen davon aus, dass die Frau schließlich wieder alleine essen und normal atmen kann und ihre Mimik wieder zurückgewinnt. Die Identität der Patientin und ihr Alter halten die Ärzte geheim. Auch Details über die Art ihrer Verletzungen wurden nicht genannt. Der Patientin wurde nach Angaben Siemionows kein Foto der Spenderin gezeigt. Und nach dem Ausheilen werde die Frau wohl auch nicht wie die Spenderin aussehen, weil die Knochenstruktur der Kopfes eine völlig andere sei, betonte die Chirurgin.

Die weltweit erste teilweise Gesichtstransplantation gelang 2005 im französischen Amiens. Die damals 38-jährige Patitin Isabelle Dinoire, deren Gesicht durch Hundebisse entstellt worden war, zog im Oktober in einem Interview eine positive Bilanz des Eingriffs. „Dieses Gesicht ist meins", sagte sie.

2006 wurde an einem 30-jährigen Chinesen ein Gesicht teilweise verpflanzt. 2007 erhielt ein 29-jähriger Franzose nach der Entfernung eines Gesichtstumors eine Teil-Transplantation.






Quelle: www.rheinpfalz.de